Experteninterview: Von der Selbstständigkeit ins Unternehmertum

Im heutigen Experteninterview spreche ich mit Chantalle Alberstadt über ihre Learnings im Übergang vom Freelancer ins Unternehmertum. Es geht auch um ihre Arbeit im Web3 Bereich und NFTs, was heute alles falsch läuft auf LinkedIn, das eigene Umfeld, groß werden, ohne vom eigenen Ziel besessen zu sein und wie Branding Projekte angegangen werden.

Chantalle ist eine ehemalige Kundin und macht mittlerweile für uns eine wöchentliche Q&A Session zu den Themen Design, Copywriting, und vieles mehr. In unserer nun 2-jährigen Zusammenarbeit hat sich eine gute Freundschaft entwickelt, weswegen dieses Interview so gut und lang geworden ist.

Ich bin Maruan Faraj, Gründer und CEO der Finally Freelancing GmbH. gemeinsam mit meinem Team haben wir bereits über 500 Freelancern aus der Design-, Development- und Marketing Branche dabei geholfen, ihre Selbstständigkeit auf das nächste Level zu heben. Eine von ihnen ist Chantalle, die heute im Unternehmertum aufgeht.

Du kommst gerade aus London zurück, berichte doch mal.

Ich war gerade in London auf meiner vierten NFT Messe dieses Jahr. Es war auch echt spannend. Im Juni war ich in New York auf der größten Messe, das war natürlich etwas ganz anderes. Aber ich möchte gerade alles mitnehmen, was irgendwie Sinn ergibt, wo ich gute Kontakte und viel Inspiration mitnehmen kann. Die Leute setzen NFTs so unterschiedlich ein, dass es viel mehr Sinn ergibt, mit den Leuten einfach zu sprechen, statt online irgendwelche Artikel über NFTs zu lesen. 

In London war ich jetzt das erste Mal international bei einem kleinen Panel-Talk dabei und das war eine echt coole Erfahrung.

Du bist doch auch gerade an einem NFT Projekt beteiligt. Wie ist das?

Ja genau, an der Metabrew Society. Ich habe Anfang des Jahres die Anfrage bekommen, das Design Branding, also das, was ich normalerweise auch mache, für ein Unternehmen zu machen, welches sich gerade in der Gründungsphase befindet. Ich habe mir den Newscase angehört, was sie vorhaben und da war schnell klar, dass ich Bock habe mehr als nur das Design zu machen. 

Ich habe mich auch gut mit den Co-Foundern verstanden und bin jetzt seit März auch Co-Founder von dem Projekt. Ich bin für die gesamte visuelle Darstellung verantwortlich, also alles was mit Branding zu tun hat, Logo, Corporate Design, usw. 

Wir haben neben der NFT-Art, also den JPG-Dateien, die man so kennt, auch andere Cases, die NFT Utilities genannt werden. Wenn Du also ein NFT bekommst, bekommst Du zum Beispiel auch ein Bier. Also habe ich alles von Merchandise, Packaging, Webdesign, Social Media, etc. auf meinem Tisch. Zusätzlich bin ich in dem Fall aber auch ganz normal am Business Development beteiligt. Da haben wir mindestens drei Mal die Woche ein Meeting mit allen Co-Foundern und da rede ich auch ganz normal mit, wie die nächsten Steps aussehen, wie die Community aufgebaut werden soll und bin ganz stark involviert. 

Erkläre bitte das mit den Utilities etwas genauer.

Also, der einfachste Pitch ist folgender: »Wenn Du ein Holder von dem NFT bist, gibt es Freibier.« Das sind in dem Fall beispielsweise 240 Dosen im Jahr. 

Wir haben aber noch einen anderen Case, in dem wir den Leuten sagen: »Wenn Du Deine Kumpels oder Dein Lieblingsrestaurant dazu bekommst, ganz normal bei uns zu kaufen, dann bekommst Du 20% Revenue Share, von allem was sie bestellen.« Wenn Du also ein Restaurant dazu bekommst uns zu listen, kann sich das richtig lohnen, weil Du für jede Bestellung 20% bekommst. Wir haben auch eine Brauerei gekauft, bei der wir eins von unseren 2 Festen im Jahr veranstalten. Ist auch ganz cool, offiziell gehört mir ein Teil von einer Brauerei. 

Das zweite Fest wollen wir aber jetzt in Vegas im Frühjahr veranstalten, weil Du mit der NFT Geschichte ja direkt international bist. Also wollen wir da eine Veranstaltung schaffen, bei der die Leute 1-3 Tage lang umsonst Bier trinken dürfen und sich kennenlernen, weil der Community Gedanke im NFT Bereich ja sehr hoch ist. Wir haben sehr viele Holder in Amerika, deswegen ergibt es da Sinn.

Man spricht da von den »Real Life Utilities«, wenn Du halt das Bier nach Hause bekommst. Aber wir wollen bei der Veranstaltung die Leute mitentscheiden lassen, welches Bier wir als nächstes brauen sollen. Da wollen wir eine Innovation-Line draus machen. In Frage kämen da zum Beispiel ein High-Protein-Bier oder ein Sleep-Brew mit Melatonin, was alkoholfrei ist. Oder ein glutenfreies Bier. Also soll das neue Bier unabhängig von der NFT Welt einen anderen Markt für unser Unternehmertum eröffnen. 

Wie ist das bei eurem Event bezüglich Scamming, gibt es da auch Millionäre in Sporthosen oder wie soll ich mir das vorstellen?

In der aktuellen Situation würde ich »Nein« sagen. Wir sind ja mitten im Bärenmarkt, also sind wirklich hauptsächlich Leute da, die Longterm etwas darin sehen und da Lust drauf haben. Also hat man viele, die das neben ihrem Main Business aufbauen, sehr viele Stunden da reinstecken und sehr passionate sind und den Wunsch haben, wirklich etwas Sinnvolles zu machen und die Welt ein bisschen besser zu machen. 

Ein Beispiel von Atrops

Zum Beispiel gibt es Atrops, mit denen ich auch zusammenarbeite, die machen das ganz normal als Nonprofit Organisation und können Krypto-Spenden annehmen. Wir als NFT-Projekt sagen dann zum Beispiel, dass wir 1% unserer gesamten Einnahmen an Amnesty International spenden wollen. Jetzt kann Amnesty aber nicht einfach eine Krypto-Spende annehmen, weil das regulatorisch ja sehr schwierig ist. Dann schaltet sich Atrop dazwischen, nimmt unsere Krypto-Spende an und wandelt unsere Spende um und wir bekommen ein Spendenzertifikat, das wir in Deutschland ausstellen können. Es gibt also wirklich so viel mehr als diese JPGs!

Klar gibt es auch diejenigen, die mit NFT mega reich geworden sind und damit ein bisschen flexen, aber das hat man ja in jedem Startup Bereich. 

Ich habe aber noch nie so viele so coole Leute an einem Ort getroffen, die alle Macher sind und wirklich etwas verändern wollen. Deswegen macht mir dieses Projekt auch so viel Spaß.

Beschreib doch mal, wann und wie wir uns kennengelernt haben.

Das ist jetzt ein bisschen mehr als 2 Jahre her, oder? Ich glaube im August oder September 2020. Du hattest mich, lass mich nicht lügen, via LinkedIn und Instagram kontaktiert und ich hab gesagt, dass wir doch mal telefonieren können. Dann hast Du mir Dein Programm gepitcht. Das war noch zu Beginn von Corona, damals hatte ich noch viel Gastro und Hotellerie als Kunden. Ich habe Branding und Design für ganz unterschiedliche Unternehmen gemacht, hatte noch keine spitze Nische, auch wenn ich viele Unternehmen aus derselben Branche hatte. Diese waren auch stark von Corona betroffen, sodass ich auf einmal mehr Zeit hatte. Kostenmäßig musste ich mir keine Sorgen machen. Also habe ich mich für das Programm entschieden, weil ich eigentlich ja nur einen Kunden aus dem Programm ziehen musste, um das Investment wieder reinzubekommen. 

Das Follow-Up Gespräch war der ausschlaggebende Faktor.

Maruan hat in dem Follow-Up dann echt gut verkauft, sodass ich etwas meinte wie »Wenn ich nach dem Programm nur halb so gut verkaufen kann wie Du, hat sich das schon gelohnt!« Das war der ausschlaggebende Grund, weil er so hartnäckig war und wirklich gut verkauft hat. Nur um da ein paar Snippets rauszubekommen, lohnt sich das eigentlich schon, den Kurs zu machen. 

Dann habe ich also als Kundin gestartet und mich auch in allen Q&As immer sehr aktiv beteiligt. Deswegen habe ich irgendwann angefangen, eine Q&A in der Woche zu übernehmen. 

Wie sind Deine Stationen in der Karriere in den letzten 2 Jahren gewesen als Selbstständige?

Ich finde es immer sehr wichtig, sich mit dem Business zu entwickeln. Wenn das Business zu schnell wächst, tut es einem selbst ja auch nicht gut, wenn man mental nicht mitzieht. Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass ich schon viel früher hätte wachsen können, aber ich war noch nicht so weit. Ich mache Dinge immer gerne, wenn sie sich vom Bauchgefühl her richtig anfühlen, aber eine kleine Nummer zu groß sind. Wenn sie viel zu groß sind, ist der Step zu groß, was mir nicht gesund erscheint. Manchmal »überstolpert« man sich dann. 

Aber im September 2021 habe ich dann meine erste Mitarbeiterin eingestellt und dann einfach mal die Handbremse gelöst. Das war der erste Schritt ins Unternehmertum. Mittlerweile habe ich 2 Festangestellte, einen Vollzeit und einen Teilzeit Praktikanten, die alle fest im Team sind. Aber trotzdem überlege ich schon, welche die nächsten 2 Positionen sind, die in meinem Team noch besetzt werden müssen. 

Unterbewusst ist es noch nicht ganz angekommen, dass ich jetzt im Unternehmertum bin.

Ich muss mir aber definitiv immer wieder ein paar Momente nehmen, in denen ich das Ganze Revue passieren lasse, was da eigentlich alles passiert ist. Ich habe zu einem Freund letzte Woche gesagt: »Ich fühle mich wie ein Unternehmer, vielleicht weil ich mittlerweile einer bin.« Als ich das gesagt habe, habe ich gemerkt, ich weiß das eigentlich schon, aber unterbewusst, ist das noch nicht ganz angekommen! Ich habe die Rolle im Unternehmerum noch nicht komplett verinnerlicht. 

Neben den Mitarbeitern, habe ich Anfang des Jahres noch eine Investment GmbH gegründet, bin Teilhaber von Metabrew Society, also Co-Founder, rede gerade noch mit ein paar anderen Leuten, ob man da etwas zusammen hochziehen kann… 

Also das Branding und Design Thema, das ist mein operatives Geschäft, aber mein Wesen ist nicht mehr die klassische Designerin, sondern ich bin jetzt im Unternehmertum. Wahrscheinlich bin ich das schon immer gewesen, nur kommt es gerade einfach erst an. Es macht mir einfach viel Spaß und ich überfordere mich damit nicht. Es ist meine intrinsische Motivation und meine eigentliche, wahre Natur. Im Unternehmertum fühle ich mich einfach wohl. 

Wie ist Deine Unternehmensstruktur derzeit aufgebaut?

Ich habe zur Zeit tatsächlich keine klassische Holding, habe da letztes Jahr zwar viel darüber nachgedacht und mit Steuerberatern und anderen Leuten gesprochen usw. Derzeit bin ich aber noch als Freiberuflerin unterwegs. 

Ich habe aber auch eine Invest GmbH für ganz klassische Unternehmensanteile. Dazu gehört zum Beispiel die Metabrew Society. Zwar halte ich auch einen Teil davon mit der GmbH, nicht mit meinem operativen Geschäft. Ich bin aber auch im Gespräch gerade mit Startups, für die ich vielleicht etwas zu teuer wäre, dass ich dann Anteile an dem Unternehmen erhalte. Dafür ist die Invest GmbH hauptsächlich dann da. 

Was hat Dich dazu bewegt, Dein Unternehmen so zu führen?

Die Entscheidung ist so ein halbes Jahr her. Steuerlich gesehen hat das Vorteile. Wenn Du das gesamte Geld in dem Unternehmen hältst, macht eine Holding natürlich absolut Sinn. Ich habe es aber gerade noch gerne so, dass ich privat an das Geld ran komme und auch an andere Dinge investieren kann, wie zum Beispiel Web 3 Themen, die dann nicht über das Unternehmen laufen sollen. Freiberuflichkeit geht natürlich nicht in jedem Business, nur weil es jetzt in meinem Design Business geht. Ich zahle da zum Beispiel keine Gewerbesteuer. Also war es keine eindeutige Entscheidung, sondern ich habe mich nach Bauchgefühl entschieden. Ich muss mir so kein Gehalt auszahlen, sondern kann frei ans Geld ran und muss genau gucken, warum ich wie viel Geld rausnehme.

Mir war das Thema Freiheit da wichtig und da funktioniert die Freiberuflichkeit besser. 

Maruan macht es zwar anders mit der Holding, aber ich bin damit zufrieden. 

Ja, eine Holding hat den Vorteil, dass man keine Einkommensteuer auf alle Gewinne zahlen muss. Aber es ist schwieriger, an das Geld zu kommen. Meine Entscheidung ist ja auch nicht endgültig, ich kann immer noch eine Holding aufbauen.  Ich mache halt immer vieles nach Bauchentscheidung. Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt, mache ich es auch nicht, selbst wenn es rationale Gründe gibt, die dafür sprechen.

Erzähl mal, was sich bei Dir geändert hat, dass Du von einer Alleingänger nun zu mehreren Angestellten gekommen bist?

Da spielen mehrere Sachen rein. Ich glaube, ich hatte durch Corona mehr Zeit, über die Dinge nachzudenken, die ich noch verbessern wollte. Es lief ja auch vorher schon gut, habe schon vor der Beratung 140k Umsatz im Jahr gemacht. Aber ich habe mich da das erste Mal mit meinem Business auseinandergesetzt und damit, worauf ich eigentlich Lust habe. Das war ein wichtiger Faktor. 

Ich habe meine Stärken erkannt.

Dann, als ich angefangen habe, die Q&As anzuschauen und auch selber zu geben, habe ich auch mehr Kontakt mit anderen Designern gehabt, die mir in meinem Umfeld ein wenig fehlen. Ich habe eher Start-up Leute und Unternehmer in meinem Umfeld. Also habe ich da mal andere Leute gesehen, die das gleiche machen wie ich. Und da ist mir dann bewusst geworden, was eigentlich meine Stärken sind. Ich dachte immer, alle Leute sind so gut organisiert und im Kundenkontakt wie ich, aber das ist ja gar nicht so. Das war glaube ich mein biggest Learning durch euer Programm: Was meine Stärken eigentlich sind!

Dadurch habe ich gemerkt, warum meine Kunden immer bei mir geblieben sind. Entweder waren sie vorher genervt von den großen Agenturen, oder von Freelancern, die schlecht organisiert sind. Und dann kamen sie zu mir und sind da geblieben. Das hat mein Business-Selbstbewusstsein noch mehr verbessert!

Dann habe ich meine Außendarstellung verbessert.

Das hat dazu geführt, dass ich noch mehr in die Außendarstellung gegangen bin, also Personal Branding. In Person, vor Ort, Veranstaltungen, das konnte ich schon immer gut. Ich muss mich nicht in den Mittelpunkt stellen, brauche keine Bühne oder Mikrofon, aber ich connecte gerne mit Leuten, weil ich mich wirklich dafür interessiere. Ich möchte wirklich die Menschen kennenlernen und das habe ich dann mal nach außen gezeigt. 

Also habe ich im letzten Jahr meine Social Media, also Instagram und LinkedIn verändert. Zu LinkedIn habe ich bei euch ja sogar ein Kapitel erstellt, welches ihr im Programm habt. Ich habe nicht mehr versucht, das zu spielen, was da funktioniert, sondern das, was mich ausmacht, wie ich bin. Ja, manchmal ist da ein kleiner Filter drauf, den Rest der “echten” Chantalle bekommen die Leute dann auf meiner Website oder in Persona.

Das war auch ein riesiger Hebel, weil die Leute wussten, wie ich ticke, auch wenn sie mich noch nicht in Persona kennengelernt haben.

Die Basics sind dann doch immer das Wichtigste.

Wenn man mal proaktiv dem Kunden etwas vorschlägt, seine Abgaben pünktlich liefert, sich einfach an die Basics hält, hebt man sich ja schon von der Masse ab. Wenn man das drauf hat, dann läuft es auch. Du kannst der beste Designer sein, wenn du nicht pünktlich ablieferst, laufen Dir die Kunden weg. 

Im LinkedIn Game sagst Du, bist Du Du selbst, nur mit einem kleinen Filter. Wie klein ist der Filter?

LinkedIn ist gerade ein bisschen tricky. Es läuft zur Zeit sehr politisch korrekt, bloß nicht seine Errungenschaften als Unternehmer teilen, hauptsache du sprichst »LinkedIndisch«. Nur dann kannst Du richtig »Erfolg« mit LinkedIn haben. Da muss man sich aber entscheiden: Sprichst Du jetzt »LinkedIndisch« und verbiegst Dich vielleicht in Deinen Posts, oder bleibst Du authentisch, mit dem Risiko, dass Dein Beitrag nicht performt und in meinen Kommentaren polarisiert wird?

Am liebsten habe ich keinen Filter.

Eines der schönsten Komplimente, das ich in letzter Zeit bekomme, ist, dass Leute mir sagen, dass ich wirklich so bin, wie auf LinkedIn. Es ist zwar schwer, mit so wenigen Zeichen, härtere Themen so rüber zu bringen, dass die Leute wissen, was ich wirklich denke. 

Ich habe einen Beitrag, in dem ich beschrieben habe, warum ich es mag, mit Stereotypen zu brechen. Der Beitrag kam sehr gut an. Ich habe da auf meinem Motorrad gesessen, was ja auch wirklich meine Maschine ist. Und da habe ich darüber gesprochen, dass die Leute mich oft in eine Schublade stecken. Ich bin zwar schon eher girly, aber ich kann die Leute trotzdem sehr sehr gut überraschen. Von wegen pinke Klamotten und blond auf der einen Seite, aber Leder und Motorrad auf der anderen. 

Ich fühle mich gleichberechtigt, also bin ich das auch.

Und es gibt ja Leute, die sich sofort darüber echauffieren, wenn sie in eine Schublade gesteckt werden. Und dann ist das Sexismus, Rassismus oder was auch immer. 

Und das bin ich gar nicht. Ich begebe mich einfach nicht in diese Opferrolle.

Deswegen tue ich mich auch ein wenig schwer damit, auf »Female Entrepreneur Veranstaltungen« zu gehen. Oder es gibt viele »Web 3 Women Panel«. Aber ich fühle mich gleichberechtigt, also bin ich gleichberechtigt. Also brauche ich gar nicht diese Events speziell für Frauen. 

Und persönlich habe ich auch keine schlechten Erfahrungen bisher gemacht, weil ich mich halt so positioniert habe. Und trotzdem bin ich da komplett in meiner femininen Energie.

Einfach transparent gerade heraus. Ich sage, was ich denke. 

Dieses Politisch-korrekt-sein auf LinkedIn ist etwas extrem.

Ein weißer Mann kann halt auch nichts dafür, dass er ein weißer Mann ist! Mein Kumpel Olli eckt auch häufiger an, aber hat auch schlechte Kommentare bekommen, mit der Begründung, er sei ja ein weißer Mann. Es kann ja nicht sein, dass die Leute Gleichberechtigung wollen, aber nur, wenn der weiße Mann niedergemacht wird. Equal both ways! Hört auf mit der Doppelmoral!

Das ist mein kleiner Filter:

Aber mal wieder etwas zurück zum Thema: Mein Beitrag auf dem Motorrad hat gut performt. Und ich würde da gerne in Zukunft noch ein paar weitere Beiträge schreiben, aber man muss da im schriftlichen sehr doll aufpassen, wie man etwas formuliert, damit die Leute auch wissen, wie du es wirklich meinst. 

Und das ist mein kleiner Filter: Manchmal kann ein kleiner Absatz im Text die gesamte Bedeutung für den Leser anders verständlich machen. Ich habe gar kein Problem damit, meine Meinung zu sagen und diese zu begründen, und ich akzeptiere und respektiere auch andere Meinungen. Ich freue mich über eine gute Diskussion! 

Es gibt einen Unterschied zwischen Authentizität und seine “Karten” ausnutzen.

Ich finde, wenn man authentische Stories erzählt, macht es einen Unterschied. Dann ist es nicht mehr die »Ausländer-Karte«, oder was auch immer. 

Die Beiträge, die bei mir bisher am besten performt haben, habe ich am schnellsten runtergeschrieben. Manchmal sogar in nur 2 Minuten, plus Korrektur lesen. 

Mein Kumpel Olli schreibt zwar manchmal auch Beiträge für mich, aber weil wir uns so gut verstehen und er mich auch so gut kennt, sind das meine Worte und meine Gedanken, die er schreibt. Das klappt echt gut! Er kann aus einem ganz normalen Gespräch die Beiträge verfassen. Was ich bei ihm auch sehr schätze ist, dass er Themen rauszieht, über die ich selbst vielleicht gar nicht geschrieben hätte, weil er mich da challenged. 

Wo siehst Du Dich in 2 oder 3 Jahren?

Ich stecke mir ja nie so harte Ziele, weil ich eher mit dem Flow gehe. Ehrlicherweise, wenn ich nach meinem Bauchgefühl gehe, würde ich gerne noch 2 oder 3 Leute einstellen. Das wäre super, weil ich mich ja mehr als Unternehmerin fühle und nicht mehr selbst designen muss. Ich hätte aber gerne mindestens dasselbe Design-Niveau, das ich selbst schaffen würde. Da sind wir in meinem Team aber gerade auch dran. 

Wenn das dann gut läuft, kann ich mir vorstellen, auch weiter zu wachsen, aber ich will auf gar keinen Fall eine klassische Werbeagentur werden. Das ist mir sehr wichtig, weil ich es sehr mag, nahe am Kunden zu arbeiten und man nicht nur versucht kostendeckend zu arbeiten. Ich mag es, wenn die Kunden das Gefühl haben, als würden wir intern mit ihnen zusammenarbeiten. Deswegen möchte ich lieber langsamer wachsen und die Prozesse diesbezüglich anpassen. 

Ich möchte im Web 3 Bereich bleiben. 

Ich arbeite auch gerne mit »ganz normalen« größeren, vielleicht globalen Unternehmen. Aber ich sehe mich und mein Unternehmen auch sehr stark im Web 3 und NFT. Mir tun die Leute da gut und es ist ein ganz anderer Vibe.

Ich weiß, Web 3 und NFT sind für viele noch so ein Metaversum und ein rotes Tuch, aber wenn man sich damit beschäftigt, gibt es genauso viele Cases wie in anderen Märkten. Ich finde es halt auch cool, dass man mit NFT direkt international ist. Das ist auch sehr attraktiv für kleinere Unternehmen. 

Du überspringst halt diesen Step:  Du hast einen Interessenten und der ist Dein Käufer. Im Web 3 ist es in der Regel: Du hast einen Interessenten und der wird direkt zum Fan der Marke! Du baust direkt eine Community auf! Das ist dann das Pro-Gaming bei großen Companies.

Man kann da echt gut die Menschen zusammenbringen. Man hat da Events, wo die Leute sich noch nie vorher gesehen haben, aber weil sie schon Monate vorher geschrieben haben, sind sie halt best friends. Das macht halt mega Spaß, deswegen werde ich auch gucken, dass ich ein paar meiner »normalen« Kunden in den Bereich onboarde mit Cases, die für sie Sinn ergeben. 

Also werde ich meinen Fokus wohl auf Web 3 Unternehmen legen und bei den Web 2 Unternehmen noch stärker Cherry-Picking betreiben, mir also die raussuchen, mit denen ich wirklich zusammenarbeiten will. 

NFT Unternehmen brauchen halt auch Branding, vielleicht sogar noch mehr im Moment als Web 2 Unternehmen. 

Wie sind Deine Ressourcen da im Moment verteilt? 

Gut ist ja, dass wir Metabrew komplett im Inhouse abdecken, das Design läuft also komplett über meine Agentur. Somit ist das kein harter Cut. 

Auch auf Messen trete ich zwar manchmal im Namen von Metabrew auf, aber auch da trete ich immer als »ich« auf und spreche mit den Leuten. Wenn sie sich dann mehr für Metabrew interessieren, rede ich halt darüber, aber es kommt drauf an.

Deswegen ist es super schwierig zu sagen, wie meine Aufsplittung da im Moment ist.

Aber vielleicht kann man sagen: Ich designe vielleicht noch 20%, die anderen 80% sind Business Development, sowohl bei meinem eigenen Unternehmen als auch bei Metabrew.

Ich bin in alle Projekte noch sehr involviert, aber mehr mit Ideen und meiner Kreativität.

Wie geht ihr ein Projekt an? Mal angenommen, ihr macht ein komplettes Rebranding für Finally Freelancing, wie sähe das aus?

Wenn es ein Rebranding ist, was aktuell häufiger bei großen Firmen vorkommt, bin ich ein Fan davon, dass die Brand für jeden Customer Touchpoint gleich rüberkommt. Das ist aber nicht immer der Fall. Dementsprechend checken wir zuerst den Status Quo. Häufig ist das tatsächlich ein Workshop, weil man wissen muss, wo das Unternehmen gerade steht. Mir ist es immer wichtig zu wissen »Wo wollt ihr in den nächsten Jahren hin?«, damit das Branding mitwachsen kann. Das kann man meistens in einem Workshop besser, weil man konkreter auf Fragen nach der Zielgruppe, Kanäle, Herausforderungen und Zukunft usw. eingehen kann. Bei euch wäre es zum Beispiel: Orange ist cool, aber was ist neben Maruans Gesicht ein weiterer Punkt der Wiedererkennung?

Im zweiten Schritt gehe ich tiefer.

Wenn das einmal steht, gehe ich meistens nochmal ein wenig tiefer und fasse das Ganze nach dem Workshop nochmal zusammen. Da wird dann eine Roadmap aufgestellt. Ganz oft ist es ein ganz klassisches Corporate Design Manual, welches jetzt nicht 100 Seiten hat, sondern mit dem man auch arbeiten kann. Da können zum Beispiel Vorlagen drin sein, sodass man eigenständig arbeiten kann, oder ich bleibe die ganze Zeit an der Seite des Unternehmens.

Ersteres finde ich auch cool, weil ich weiß, dass ihr ja Inhouse Leute habt, die sich darum kümmern können und die nur eine Schulung brauchen. Cool finde ich da, wenn die Designer eher juniorig sind, dass ich dann alle paar Wochen einen Call habe, und das mit denen durchspreche, oder dass ich bei Slack etwas rübergeschoben bekomme, was ich feedbacken soll. Dann ist das wie eine externe Creative Direction. 

Beide Varianten habe ich auch gerade am Laufen mit Kunden, ich gucke halt immer, was gerade am besten für den Kunden passt. 

Woher nimmst Du Deinen Drive?

Das ist eine sehr gute Frage! Ich hab halt Bock! Ich mache Sachen immer aus einer Leidenschaft heraus. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich mir kein 5-Jahres-Ziel setze. Klar kann man das Ziel anpassen. Aber ich kenne mich: Wenn ich mir ein 5-Jahres-Ziel setze, versuche ich es in 6 Monaten zu erreichen und tue mir damit keinen Gefallen. Ich gehe lieber mit dem Flow. Nur bedeutet das bei mir halt »Flow mit einem GTS«. Ich habe diese intrinsische Motivation, Dinge zu verbessern und Chancen zu ergreifen. Früher habe ich Leistungssport gemacht und 5 oder 6 Tage die Woche trainiert und selbst als Kind wusste ich schon, wenn man mehr Effort gibt, gibt es auch mehr Outcome. 

Diesen Drive habe ich auch im Business. Im schlimmsten Fall, wenn ein Projekt scheitert, was ist dann passiert? Dann habe ich halt Erfahrungen mitgenommen. Dann mache ich halt was Neues. 

Ich bin relativ risikobereit, auf einer Skala bis 10 vielleicht eine 7 bis 8. Und ich umgebe mich nur mit Dingen und Menschen, die mir gut tun. Und je mehr Menschen in Deinem Umfeld den Drive haben und Vollgas geben, desto mehr steckt es Dich ja an. 

Wie wichtig ist Dein Umfeld für Dich?

Mindset und Umfeld sind 100% wichtig. Ich habe auch schon Leute aus meinem Leben gelassen, die mir nicht gut getan haben. Bei denen ich mehr gegeben habe, als mir gut tat. Aus jedem Treffen mit anderen Menschen komme ich mit mehr oder weniger Energie heraus. Und wenn ein Mensch mir Energie nimmt, darf er nicht zu lange Teil meines Lebens sein. 

Wenn ich merke, dass mir Leute eine sehr gute Energie geben, Herz haben und Bock haben, es einfach ein guter Fit ist, dann mache ich viel schneller auf als vorher. Dann lasse ich diese Leute viel näher an mich dran! Vielleicht fällt man mal auf die Nase deswegen, aber im Gesamten betrachtet, geht es mir heute mit dieser Vorgehensweise deutlich besser. 

Ich habe heute Freunde, die ich noch gar nicht lange kenne, die mir aber sogar an einer einzigen Nachricht anmerken können, wenn es mir nicht ganz gut geht! 

Long Story Short: Dieser Spruch »Du bist der Durchschnitt von den 5 engsten Leuten, mit denen Du Dich umgibst« klingt vielleicht cheesy, ist aber 100% wahr!

Es verändert einfach alles, wenn man das richtige Umfeld hat.

Und wenn man offen und bereit ist, wird man die richtigen Leute für sein Leben auch anziehen!

Was glaubst Du, wohin die Agentur-/ Freelancer-Branche hingeht?

Ich glaube, grundsätzlich ist es unheimlich schwer, gute Leute zu finden. Dabei kommt es nicht auf die Branche an, das ist überall so. Und ich denke, dass zukünftig mehr mit Agenturen und Freelancern zusammenarbeiten wird, weil es eh viel zu wenige richtig gute Leute gibt. Und die lassen sich dann nicht von Unternehmen anstellen oder wenn, dann zu einem Preis, bei dem man auch einen Manager bekommen könnte. Also haben Unternehmen ehrlicherweise ja kaum eine Wahl. Die Frage ist dann nur, ob sie besser mit einem Freelancer oder mit einer Agentur klarkommen. Beide haben ja ihre Vor- und Nachteile. 

Mein Tipp nur an alle Freelancer: 

Seid zuverlässig, das ist schon die halbe Miete! Dann bleiben die Kunden bei euch! Get your shit together und dann gibt es keinen Grund, warum man nicht voll ausgelastet sein sollte. 

Hier kann man Chantalle finden:

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/chantalle-alberstadt/ 

Instagram: https://www.instagram.com/chantallealberstadt/ 

Website: https://www.chantalle-alberstadt.com/ 

Du möchtest mehr zu solchen Themen erfahren?

Schau Dir auch gerne dieses Video an, wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, was meine Fehler waren, die mich früher davon abgehalten haben, meine Ziele zu erreichen. Hier geht es zum Video: https://finally-freelancing.de/4-fehler-die-mich-davon-abgehalten-haben-meine-ziele-zu-erreichen/?

Du willst mehr behind the Scenes Input?

Wenn du mehr von mir auf Social Media willst, auch mal behind the scenes, oder wenn ich mal über einen Kunden Erfolg spreche, oder einen Insider aus der Q&A erwähne, dann folge mir auf Instagram. Ich poste fast jeden Tag eine Story zu behind the scenes, sei es von Zuhause wenn ich in meiner Deep Work Session bin oder aus dem Büro mit meinem Team. Hier kannst Du mich finden: https://www.instagram.com/finally_freelancing/

Über den Autor

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